NPO-Wissen

Die umfangreiche Wissensplattform des VMI hält Sie auf dem Laufenden über die Welt der Nonprofit-Organisationen. Neben aktuellen Fakten rund um den NPO-Sektor im deutschsprachigen Raum finden Sie hier auch fundierte Informationen zu NPO-Themen sowie das digitale Archiv unseres VM Magazins.

Häufige Fragen rund um den NPO-Sektor

Wie gross ist der Dritte Sektor der Nonprofit-Organisationen (NPO)? Wie finanzieren sich NPO? Die Antworten auf diese Fragen stammen zum Teil aus unserer eigenen Forschung, zum Teil aus Untersuchungen von öffentlichen Stellen oder anderen Forschungseinrichtungen.

Grösse und Struktur des Dritten Sektors

Wie gross ist der Dritte Sektor der Schweiz?

Es gibt – anders als in vielen anderen europäischen Ländern – keine offizielle Bundesstatistik für den sogenannten Dritten Sektor, der alle privaten, nicht-erwerbswirtschaftlichen Organisationen umfasst. Die einzige Hochrechnung für die Schweiz wurde von einer Forschergruppe am VMI durchgeführt und beruht auf statistischen Daten verschiedener Quellen zum Referenzjahr 2005.

Die 76'500 Vereine, 12'000 gemeinnützigen Stiftungen sowie rund 2’000 der Genossenschaften und gemeinnützige Kapitalgesellschaften bildeten im Jahr 2005 den Dritten Sektor der Schweiz. Sie beschäftigten insgesamt 180'000 Vollzeitbeschäftigte (4,5% der Gesamtbeschäftigung) sowie ein Äquivalent von 80'000 Vollzeitstellen an Freiwilligenarbeit. Gesundheit und Soziale Dienste sind die grössten Teilbereiche für die Erwerbstätigkeit; Kultur, Sport und Freizeit sind neben den Sozialen Diensten die wichtigsten Bereiche für Freiwilligenarbeit.

In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der (registrierten) gemeinnützigen Stiftungen auf über 13'700 gestiegen (gemäss Schweizer Stiftungsreport 2025). Die Zahl der Vereine dürfte ebenfalls etwas gestiegen, die Zahl der dem Dritten Sektor zuzurechnenden Genossenschaften und Kapitalgesellschaften dagegen konstant geblieben sein. Bei einer Schweizer Gesamtbeschäftigung von gegenwärtig 4,5 Mio. Vollzeitäquivalenten und eines wahrscheinlich gleich gebliebenen Anteils des Dritten Sektors würden daraus heute rund 200'000 VZÄ resultieren.

Quelle:  Bernd Helmig, Hans Lichtsteiner und Markus Gmür (Hrsg.): Der Dritte Sektor der Schweiz. Bern 2010. Datenbasis 2005. Zur Studie

Wo in der Schweiz ist die Stiftungsdichte am höchsten?

In der Schweiz gibt es mit Abstand die meisten Stiftungen im Kanton Basel-Stadt mit 43.5 Stiftungen pro 10'000 Einwohnerinnen resp. Einwohnern. Mit deutlichem Abstand folgen Zug (34.4), Glarus (27.4) und Graubünden (26.7). Die geringste Stiftungsdichte weist der Kanton Aargau mit knapp sieben Stiftungen pro 10'000 Einwohner auf. Der Schweizer Durchschnitt beträgt 15.2 Stiftungen. Dabei ist zwischen reinen Förderstiftungen (49%) und operativ tätigen Stiftungen (32%) zu unterscheiden; 19% haben einen gemischten Charakter.

Quelle: Katja Schönenberger, Dominique Jakob und Georg von Schnurbein (2025). Der Schweizer Stiftungsreport 2025 (CEPS Forschung und Praxis – Band 33).

 

Wie gross ist der Dritte Sektor im internationalen Vergleich?

Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz im Mittelfeld der spätindustriellen Staaten Europas und Nordamerikas. 7% der Beschäftigten sind in Organisationen des Dritten Sektors tätig. Innerhalb Europas sind Norwegen, Österreich, Dänemark, Frankreich, Schweden, Irland, Grossbritannien und Belgien noch aktiver. An der Spitze stehen die Niederlande, wo der Anteil im Vergleichsjahr 2005 sogar 16 % betrug.

Quelle: Bernd Helmig, Hans Lichtsteiner und Markus Gmür (Hrsg.): Der Dritte Sektor der Schweiz. Bern 2010. Datenbasis 2005. Zur Studie

Wie verbreitet ist zivilgesellschaftliches Engagement in Europa?

Das zivilgesellschaftliche Niveau in Ländern wie der Schweiz, Schweden, Norwegen und den Niederlanden ist sehr hoch. So sind dort über 75 % der Bevölkerung in mindestens einer NPO Mitglied.  Mehr als 40 % der Bevölkerung nehmen an Veranstaltungen von NPOs teil und spenden regelmässig. Über 30 % der Bevölkerung in Norwegen oder Schweden sind sogar für eine NPO aktiv engagiert.  Anders schaut die Situation dagegen in Polen oder Griechenland aus. Dort befindet sich das zivilgesellschaftliche Engagement auf einem geringen Niveau.

Quelle: Eckhard Priller (2008): Zivilgesellschaftliches Engagement im europäischen Vergleich. In: Herbert Ammann et al. (Hrsg.): Freiwilligkeit: Ursprünge, Erscheinungsformen, Perspektiven. Zürich: 51-70. Zur Graphik

Wie ist der Dritte Sektor im internationalen Vergleich reguliert?

In korporatistischen Ländern, wie bspw. Japan, Belgien und Dänemark, ist die Regulierung restriktiver, da sie eine Gefahr für die politische Ordnung und den sozialen Zusammenhalt darstellen könnten. In eher pluralistischen Ländern, wie den USA, Grossbritannien und Griechenland, ist der Dritte Sektor weniger stark reguliert, da der Staat sie als Ersatz für formelle Kommunikationskanäle nutzt.

Quelle: Elizabeth A. Bloodgood, Joannie Tremblay-Boire and Aseem Prakash (2014): National Styles of NGO Regulation. In: Nonprofit and Voluntary Sector Quarterly 43(4): 716-736. Zur Studie

Wie finanziert sich der Dritte Sektor in der Schweiz?

Der Dritte Sektor in der Schweiz finanziert sich zu 57 % aus Leistungsentgelten, zu 35 % aus staatlichen Finanzierungsbeiträgen und zu 8 % aus Spendeneinnahmen. Dabei kommen die Leistungsentgelte auf einen Gesamtbetrag von 14'571 Mio. Franken, die staatlichen Finanzierungsbeiträge auf 8'739 Mio. Franken und die Spenden auf insgesamt 2'012 Mio. Franken. Am stärksten sind die Teilbereiche «Gesundheitswesen», «Soziales», «Bildung & Forschung» und «Kultur & Sport» von Fremdleistungen abhängig.

Quelle:  Bernd Helmig, Hans Lichtsteiner und Markus Gmür (Hrsg.): Der Dritte Sektor der Schweiz. Bern 2010. Datenbasis 2005. Zur Studie

Wie haben sich die Spendeneinnahmen in der Schweiz entwickelt?

Die Spendeneinnahmen in der Schweiz sind nach der jährlichen Statistik, die das VMI seit 2011 im Auftrag der Stiftung Zewo auf Basis von Rechnungslegungsdaten zertifizierter Hilfswerke durchführt, kontinuierlich gestiegen. Sondereffekte mit ausserordentlichen Spendeneinnahmen hatten der Tsunami im Spendenjahr 2005 und der Ukraine-Krieg im Spendenjahr 2022. Gemäss der Hochrechnung erreichten sie im Jahr 2024 eine Summe von 2,25 Mrd. Schweizer Franken, was 0,26% des Bruttoinlandsprodukts der Schweiz entspricht. Zehn Jahre vorher betrugen sie noch 1,72 Mrd., damit aber ebenfalls 0,26% des BIP.

Quelle: ZEWO-Spendenreport 2025.

Welche Bedeutung haben digitale Spenden in der Schweiz?

Im Zeitraum von 2013 bis 2016 sind die digitalen Spenden um 66 % gestiegen und haben somit an Bedeutung gewonnen. Während sie 2013 noch 1.7 % des gesamten Privatspendenvolumens ausmachten, betrugen sie 2016 bereits 2.8 % der Gesamtspenden. Durch die fortlaufende Ausdifferenzierung der Kanäle sind direkte Vergleich in der Folge schwierig geworden. Ihr Anteil an den Spendeneinnahmen Schweizer Hilfswerke bewegt sich aber immer noch im einstelligen %-Bereich. In der Schweiz hat in den letzten Jahren TWINT stark an Bedeutung gewonnen und hat im Jahr 2024 einen Anteil von 68% am digitalen Spendenvolumen erreicht; demgegenüber verlieren SMS- oder PayPal-Spenden an Bedeutung.

Quelle: RaiseNow (2017). Digital Fundraising Studie Schweiz 2017. So spendet die Schweiz online. Zur Studie

Spendenreport Schweiz(2024), hrsg. Von Swissfundraising und Stiftung Zewo

Wie stark ist der Dritte Sektor von Freiwilligenarbeit abhängig?

Im Dritten Sektor sind Sport- und Freizeit-NPO mit bis zu 32.5 % von Freiwilligenarbeit abhängig, gefolgt von Sozialen Diensten (22.4 %) und Kultur-NPO (13.2 %). Die restlichen Teilbereiche, wie Gesundheit, Religion, Umwelt, Bildung und Forschung, greifen nur zu einem sehr geringen Teil (<2.5 %) auf Freiwilligenarbeit zurück.

Quelle:  Bernd Helmig, Hans Lichtsteiner und Markus Gmür (Hrsg.): Der Dritte Sektor der Schweiz. Bern 2010. Datenbasis 2005. Zur Studie

Was sind die Motive für Freiwilligenarbeit in der Schweiz?

Die Wahl, sich formell, d.h. in einer Organisation, oder informell (z.B. in der Nachbarschaftshilfe) zu engagieren, hängt in der Schweiz von jeweils anderen Motiven ab. Bei der formellen Freiwilligenarbeit geben 61% den Faktor «Tätigkeit macht Spass» an, 54% «Verbundenheit mit der Organisation», 50% «mit anderen Menschen zusammenkommen», 48% «anderen Menschen helfen» und 45% «mit anderen etwas bewegen können» an. Die übrigen der abgefragten Motive wurden weniger häufiger genannt. Bei der informellen Freiwilligenarbeit dominierte das Hilfsmotiv mit 72% stark; erst danach folgten Spass mit 47% und an dritter Stelle rangierte «anderen Menschen etwas zurückgeben».

Quelle: Adrian Fischer, Markus Lamprecht & Hanspeter Stamm (2025). Freiwilligen-Monitor Schweiz 2025.

 

Welche Vergütung erhalten Geschäftsleitende von Schweizer Verbänden und Hilfswerken?

Die letzte repräsentative Studie für die Schweiz wurde 2016 vom VMI durchgeführt. In der Schweiz vergüten Branchenverbände mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 161'500 Franken ihre Geschäftsleitenden am besten, wahrscheinlich weil sie mit profitorientierten Arbeitgebenden konkurrenzieren. Die Geschäftsleitenden von Politik- und Umweltverbänden erhalten ein durchschnittliches Jahresgehalt von 143'000 Franken, bei Schweizer Hilfswerken sind es 136'000 Franken, Bildungs- und Kulturorganisationen zahlen 131'000 Franken, internationale Hilfswerke 129'000 Franken und Branchenverbände 120'500 Franken pro Jahr. Generell besteht ein starker Zusammenhang zwischen Organisationsgrösse und Geschäftsleiter(innen)vergütung.

Quelle: Markus Gmür und Luisa Wagenhöfer (2018). VMI Gehaltsstudie 2017. Vergütung von haupt- und ehrenamtlichen Führungskräften in Schweizer Verbänden und anderen Nonprofit-Organisationen (VMI-Forschungsreihe, Bd. 10). Fribourg: Eigenverlag, S. 14. Datenbasis: Vergütungsdaten 2016 von 355 Schweizer Verbänden und Hilfswerken. Zur Studie

Was schätzen NPO als die grössten Vorteile der Digitalisierung ein?

Für NPO scheinen die Vorteile der Digitalisierung in der Kostensenkung und der vereinfachten Kommunikation zu liegen. NPO nennen mit 80 % Zustimmung «Neue Möglichkeiten der Interaktion mit Kunden» als grössten Vorteil der Digitalisierung. Gefolgt wird dieses Argument von «Vereinfachung interner Kommunikation» (75 %), «Automatisierung» (71 %), «Aufwands- oder Kosteneinsparung» (64 %), «Vereinfachung externer Kommunikation» (58 %), «Möglichkeit neuer Leistung» (48 %) und «Mehr Transparenz gegenüber Zielgruppe» (48 %).

Quelle: Christian Horak und Martin Bodenstorfer (2017). Digitalisierung in Non-Profit-Organisationen in Österreich. Zur Studie

Auf welche Kommunikationskanäle setzen Schweizer Eigenleistungs-NPO?

Schweizer Eigenleistungs-NPO setzen eine Vielzahl an Kommunikationskanälen ein. Am weitesten verbreitet und intensivsten genutzt ist mit Abstand die eigene Webseite. Bei den traditionellen Kanälen erfreuen sich die eigene Fachzeitschrift, Tagungen und Veranstaltungen grosser Beliebtheit und intensiver Nutzung. Bei den digitalen Kanälen sind es Direct Mail und der digitale Newsletter.  Eher weniger intensiv genutzt und weniger weit verbreitet sind dagegen eine eigene App und Social Media, wie Xing, LinkedIn und Instagram.

Quelle: Nathalie C. Maring und Hans Lichtsteiner (2018). Vereins- und Verbandskommunikation im digitalen Zeitalter – eine Bestandsaufnahme (VMI-Forschungsreihe, Bd. 9). Bern: Stämpfli, S. 26. Datenbasis: Umfrage bei 330 Eigenleistungs-NPO in der Schweiz im Herbst 2017. Zum VM-Artikel

Besuchen Sie die NPO-Bibliothek des VMI

Unsere NPO-Bibliothek mit über 2'000 Büchern steht der VMI-Community sowie Studierenden zur Verfügung. Ergänzend zur überwiegend deutschsprachigen Literatur sind auch englische und französische Titel verfügbar. Zudem sind ausgewählte Diplomarbeiten einsehbar.

Die Bibliothek des VMI kann auf Anmeldung besucht werden. Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf, um einen Termin zu vereinbaren.

Prof. Dr. Markus Gmür

Direktor VMI & Lehrstuhlinhaber für NPO-Management


Schließen