Aktuelles PROJEKT

 

Forschungsaufenthalt in Litauen

Philipp Erpf, Doktorand am VMI, war vom 24. März bis am 20. April in einem Forschungsaufenthalt an der Technischen Universität Kaunas in Litauen. Er untersuchte, wie soziales Unternehmertum in Litauen verstanden und gelebt wird.


Über Jahrzehnte herrschte in Litauen ein von einem planwirtschaftlichen Ansatz geprägtes Wirtschaftssystem. Seit der Öffnung des Landes besteht nun die Möglichkeit, nach westeuropäischen Marktprinzipien eigenverantwortlich zu handeln und unternehmerisch aktiv zu werden. Welche Faktoren motivieren und begünstigen Eigeninitiative, insbesondere wenn es um soziales Unternehmertum geht? Und lassen sich diese zur Stimulation des sozialen Unternehmertums allenfalls auch auf die Schweiz übertragen? Diese Fragen standen am Ausgangspunkt des Forschungsaufenthaltes in Litauen.


Erste Ergebnisse zeigen drei unterschiedliche Auffassungen von sozialem Unternehmertum in Litauen: Ein enges, ein breites und ein ignorantes Verständnis. Das enge Verständnis gründet auf einem in 2004 etablierten Gesetz. Unternehmen, die Arbeitsplätze für gesellschaftlich benachteiligte Personen schaffen, erhalten staatliche Zuschüsse und Steuererleichterungen. Vertreter des breiten Verständnisses kritisieren dieses Gesetz, indem sie ihm einseitige Ressourcenallokation vorwerfen. Sie sehen im sozialen Unternehmertum junge und innovative Firmen, die auf profitable Weise einen Sozialzweck verfolgen und die erzielten Gewinne wieder in den Sozialzweck einfliessen lassen. Sie wünschen sich vom Staat eine finanzielle Starthilfe und von der Gesellschaft mehr Akzeptanz. Die fehlende Akzeptanz und das damit einhergehende ignorante Verständnis kann mit dem Aufkommen des Kapitalismus und Individualismus als Gegenpol zur langjährigen herrschenden Planwirtschaft während der sowjetischen Herrschaft erklärt werden. In einem möglichst liberalen Wirtschaftssystem ist die neue Maxime der gesellschaftliche
Aufstieg durch eine erfolgreiche Karriere oder die Gründung einer eigenen rentablen Firma.


Der Aufenthalt ist im Kontext des seit rund 20 Jahren bestehenden Forschungsaustausches zwischen dem VMI und Universitäten aus den baltischen Staaten einzuordnen. Der Kontakt zum Baltikum wurde von Ernst-Bernd Blümle initiiert, seines Zeichens Gründer des VMI. Durch die Ernst-Bernd Blümle Stiftung wird sein Bestreben der Weiterentwicklung des NPO-Sektors über Wissenstransfer aufrechterhalten.