NPO-COLLOQUIUM 2016 IN Göttingen

Die aktuelle Diskussion um wirtschaftliche, soziale und ökologische Nachhaltigkeit stellt für Nonprofit-Organisationen eine vielfältige Herausforderung dar. Sie ist nicht nur eine Gelegenheit, um Aufmerksamkeit zu erzielen, sondern bietet ebenso Anlass für einen selbstkritischen Blick.
Am 21./22. April 2016 wurde an der Universität Göttingen zum zwölften Mal die grösste Tagung der NPO-Forschung im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Die rund 50 Vorträge aus Hochschulforschung und Beratungspraxis waren diesmal um das Fokusthema der Nachhaltigkeit angeordnet. Aufgezeigt wurde, in welchen Feldern NPO aktiv sind, mit welchen Konzepten Nachhaltigkeitsziele verfolgt werden und welche Ergebnisse bislang erreicht wurden. Dabei zeigt sich, dass NPO in der Nachhaltigkeitsdebatte eine ambivalente Rolle spielen.
NPO spielen einerseits eine treibende Rolle in der gesellschaftlichen Debatte. Sie entwickeln Definitionen der Nachhaltigkeit, versuchen sie im politischen Meinungsbildungsprozess durchzusetzen und über die Medien zu verbreiten. Sie sind oft auch bestrebt, diese direkt staatlichen Stellen, Wirtschaftsunternehmen oder anderen NPO aufzuerlegen. Die Debatte ist für Organisationen des Dritten Sektors eine Chance, Aufmerksamkeit zu erzielen, finanzielle Mittel zu generieren oder freiwilliges Engagement zu mobilisieren.
Andererseits genügen NPO nicht immer den Ansprüchen, die sie an staatliche Stellen oder andere private Organisationen stellen. Dies lässt sich an zwei Beispielen zeigen. Es gibt NPO, die Standards für Good Governance entwickelt haben, die sie auf sich selbst nur eingeschränkt anwenden – mit dem Argument, die Zielerreichung der eigenen Organisation nicht zu gefährden. Es gibt auch NPO, die sich für eine Verbesserung von Arbeitsbedingungen im Wirtschaftssektor engagieren und in der eigenen Organisation prekäre Arbeitsbedingungen aufweisen – mit dem Argument, die finanziellen Ressourcen sparsam einsetzen zu müssen.
Darüber hinaus ist auch ein Nebeneinander optimistischer und pessimistischer Positionen gegenüber der Nachhaltigkeitsdebatte festzustellen. Ein gewisser Pessimismus resultiert aus dem Eindruck, dass unter einem Modebegriff Ziele propagiert werden, die bereits schon einmal unter anderen Flaggen gescheitert sind. Der Optimismus nährt sich daraus, dass die neue Begrifflichkeit gerade die Chance eröffnet, einen neuen Anlauf zu nehmen, um ökologische oder soziale Fragen, die die Menschheit von Anbeginn und immer wieder in neuen Aspekten begleiten, endlich «nachhaltig» zu beantworten.
Die Texte zu den Vorträgen im Rahmen dieses Colloquiums werden bis Ende dieses Jahres in einem Sammelband veröffentlicht werden. Am 19./20. April 2018 findet dann das 13. NPO-Colloquium, veranstaltet durch das VMI, an der Universität Freiburg/CH statt.


Markus Gmür

 

Der Tagungsband zum Thema Stakeholder-Management in Nonprofit-Organisationen ist im Springer Verlag erschienen.

 Stakeholder Management

Nonprofit-Organisationen und Nachhaltigkeit

Theoretische Grundlagen, empirische Ergebnisse und
12. Internationales NPO-Forschungscolloquium 2016, Georg-August-Universität Göttingen, 21. und 22. April 2016. Eine Dokumentation