Abgeschlossene Projekte

Organisationsstrukturen in Freiwilligenorganisationen (Sonja Graf)
Organisationale Governance in Kulturorganisationen (Diana Betzler)
Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt (Sarah Bürgisser)
Erfolgsfaktoren in der Nachwuchsförderung in Sportverbänden (Jonas Schafer)
Zur Wirksamkeit von Testimonial Endorsed Cause-Related Marketing (Patricia Lauper)

Swissness im Fundraising

Fundraisingerfolg und -effizienz

 

 

 

Organisationsstrukturen in Freiwilligenorganisationen


Unter welchen Voraussetzungen sind mitgliedschaftliche Organisationen in der Lage, genügend Mitglieder zu aktiver Mitgestaltung und zur Übernahme von Verantwortung für Projekte zu bewegen? Lassen sich dazu Erfahrungen aus dem erwerbswirtschaftlichen Bereich nutzen und übertragen?

In diesem Promotionsvorhaben wurde in einem ersten Schritt die Übertragbarkeit eines bewährten personalwirtschaftlichen Konzepts zur Schaffung einer leistungsförderlichen Arbeitsumgebung auf den Kontext mitgliedschaftlicher Organisationen geprüft. Anschliessend wurde in einer international angelegten Studie in der Organisation "Mensa" – die mit Länderorganisationen in fast 50 Staaten weltweit vertreten ist – mit Befragungsdaten aus Deutschland, der Schweiz, Kanada, Ungarn und Serbien untersucht, welche organisationalen Bedingungen die individuelle Bereitschaft zum Engagement in der Organisation erklären können.

Freiwilligenverbände übernehmen vielfältige, gesellschaftliche Funktionen: Sie fungieren als Plattform, um unterschiedliche Menschen zusammenzubringen, siewirken als Vermittler zwischen dem Individuum und seiner sozialen Umwelt, sie unterstützen die Vitalität demokratischer Gesellschaften und sie fördern die aktive Teilnahme i.allg. sowie die Schaffung von Netzwerken.

Eines der wichtigsten Ziele einer Organisation ist es, diejenigen Faktoren zu fördern, welche zur Mitwirkung und Freiwilligenarbeit führen. Um diese Faktoren zu identifizieren, ist es notwendig, die Mehrdimensionalität einer Beteiligung zu untersuchen. Verschiedene Formen der Beteiligung verlangen unterschiedliche Ansätze im Management. Hierbei ist das erste Ziel der vorliegenden Studie, die Mitglieder einer Vereinigung in einem Spektrum von relativ passiven bis relativ aktiven zu klassifizieren. Dies je nach Ausmass (Stunden pro Jahr welche in eine aktive Beteiligung investiert wurden), Vielfalt (Anzahl der verschiedenen Veranstaltungen, Seminare oder Projekte, an welcher ein Mitglied beteiligt war) und Intensität (zeitliche Anzahl der verschiedenen Einsätze) der Beteiligung.

In Mitgliedsverbänden wird die Aufmerksamkeit primär aktiven Mitgliedern, den Faktoren der Motivation sowie den Instrumenten zur Stimulierung geschenkt.
Passivmitglieder werden nur als "Mitwirkende auf dem Papier" gesehen. Die Beziehung zwischen den aktiven und passiven Mitgliedern innerhalb einer Organisation bleibt bis anhin unerforscht, insbesondere was den Bezug des Einflusses der wahrgenommenen Inaktivität der passiven Mitglieder auf das zukünftige aktive Engagement der aktiven Mitglieder anbetrifft.

Ausgehend von diesem Punkt ist die zweite Richtung des Forschungsvorhabens den Einfluss zu untersuchen, den soziale Passivität auf die aktiven Teilnehmer und ihr zukünftiges aktives Engagement innerhalb des Vereins ausübt. Aktuell zeigt sich dabei, dass je aktiver ein Mitglied ist, desto passiver nimmt es die Anderen wahr. Es besteht auch ein positiver Einfluss des sozialen Faulenzens: Selbst wenn eine stark aktive Person Andere als passiv wahrnimmt, reduziert sie ihr Aktivitätsniveau (vor allem in einer männlich dominierten Kultur) nicht. Mögliche Erklärungen für dieses etwas überraschende Ergebnis werden noch eingehend geprüft.

Dr. Sonja Graf

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Organisationale Governance in Kulturorganisationen


Die Mittelbeschaffung in Hilfswerken und Kulturorganisationen hat in den letzten Jahren eine deutliche Entwicklung hin zu einer Professionalisierung im Sinne eines verstärkten Managerialismus durchlaufen. Zunehmend ist zu beobachten, dass sich die öffentliche Hand schrittweise aus der Kulturförderung und der Finanzierung sozialer Aufgaben zurückzieht oder das bisherige Engagement einer Wirtschaftlichkeitsprüfung unterzieht.

Dies sind wesentliche Treiber für die Professionalisierung der betroffenen Organisationen, da der Druck, nach alternativen Finanzierungsquellen zu suchen, zunimmt. Parallel dazu steigt der wahrgenommene Konkurrenzdruck auf dem Spendenmarkt und treibt die Organisationen dazu an, die Effektivität ihrer Bemühungen um private Geldgeber zu erhöhen.

Im Rahmen des Dissertationsvorhabens wurden mehrere Studien durchgeführt:

  • Ausgangspunkt bildet eine historische Betrachtung zu Rationalisierungs- und Professionalisierungsentwicklungen
  • im Fundraising nach nordamerikanischem Vorbild. Am Beispiel spendensammelnder Organisationen konnte gezeigt
  • werden, dass der Professionalisierungsgrad nicht nur mit der Grösse eines Hilfswerks und einer erklärten Wachstumsorientierung zusammenhängt, sondern auch mit einer entsprechenden Zusammensetzung und Ausrichtung von
  • Vorstand bzw. Stiftungsrat einhergeht.
  • Dass ein positiver Zusammenhang zwischen Netto-Spendeneinnahmen (Differenz aus Spendeneinnahmen und Ausgaben für Fundraising-Aktivitäten) einerseits und dem Rationalisierungs- und Professionalisierungsgrad im Fundraising auf der anderen Seite besteht, zeigt eine zweite Analyse.
  • Schliesslich wurde mit einer Befragung von Schweizer Museen herausgearbeitet, welche Entwicklungsstufen der
  • Fundraising-Governance in der Praxis anzutreffen sind und dass der Erfolg in der Spendeneinwerbung mit jeder erreichten Entwicklungsstufe signifikant ansteigt.

 

Mit dem Abschluss dieses Promotionsvorhabens wird ein tieferes Verständnis darüber erwartet, welche Perspektiven das gegenwärtig noch fortschreitende Managementdenken in sozialen und kulturellen Organisationen eröffnet und welche Grenzen einer solchen Entwicklung gesetzt sind.

Dr. Diana Betzler

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Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt


Eine gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitenden ist für den Erfolg einer Nonprofit-Organisation von zentraler Relevanz. Aufgrund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen von Ehrenamt und Hauptamt gestaltet sich diese Zusammenarbeit jedoch äusserst komplex und vielschichtig.

Bis zu der vorliegenden Untersuchung gab es jedoch keinen Forschungsbeitrag, der diese Zusammenarbeit in ihrer ganzen Komplexität analysiert hat. Zielsetzung der Studie von Sarah Bürgisser war es daher, ein umfassendes Verständnis der Zusammenarbeit von Vorstand und Geschäftsführung zu erlangen.

Um zu einem besseren und systematischeren Verständnis der Konflikte und damit verbunden der Zusammenarbeit von Vorstand und Geschäftsführung beitragen zu können, wurde die folgende Definition des Konflikt-Begriffs herangezogen: Konflikte sind als Prozesse zu verstehen, die beginnen, wenn ein Individuum oder eine Gruppe Meinungsverschiedenheiten und Widersprüche mit sich selber und einer anderen Partei wahrnimmt. Dabei können zwei verschiedene Typen von Konflikten differenziert werden: Aufgabenkonflikte und Beziehungskonflikte. Aufgabenkonflikte werden als Konflikte verstanden, die sich auf Meinungsverschiedenheiten bezüglich inhaltlicher oder logistischer Aspekte der Aufgabenerfüllung beziehen. Im Mittelpunk steht die Frage, wie eine Aufgabe erfüllt werden soll, wobei unterschiedliche Ansichten bestehen können. Beziehungskonflikte sind hingegen als zwischenmenschliche Unvereinbarkeiten zu verstehen. Sie beziehen sich auf persönliche oder soziale Aspekte und äussern sich u. a. in Spannungen, Feindseligkeiten und Streitereien zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern.


In einer umfangreichen theoretischen und empirischen Untersuchung wurden individuelle, interpersonale sowie team- und organisationsbezogene Ursachen für Konflikte und deren möglichen Auswirkungen untersucht. Ziel der Arbeit war es, aufzuzeigen, wo Potenzial für Konflikte in der Zusammenarbeit existiert, um dadurch zu einer besseren und effizienteren Zusammenarbeit von Vorstand und Geschäftsführung beitragen zu können. Dabei konnten wesentliche Erfolgsfaktoren für die Gestaltung der Zusammenarbeit von Vorstand und Geschäftsführung identifiziert werden. Die perfekte Zusammenarbeit von Vorstand und Geschäftsführer, frei von jeglichen Konflikten, wird es jedoch trotz aller möglichen Handlungsempfehlungen wohl kaum geben, sind doch Konflikte ein Bestandteil organisationalen Lebens. 

Sarah Bürgisser

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Erfolgsfaktoren in der Nachwuchsförderung in Sportverbänden


Eine gut funktionierende Nachwuchsförderung bildet die Basis für spätere Spitzenleistungen im Sport und wird darum von Verbänden als eine der wichtigsten Aufgaben überhaupt angesehen. Ihr Erfolg lässt sich aber durch das Verbandsmanagement nur bedingt steuern, wie eine Untersuchung bei 34 Schweizer Sportverbänden zeigt.

Zwar kann durch die Gestaltung der Verbandsstruktur und –strategie dazu beitragen werden, eine auf der operativen Ebene möglichst optimale Nachwuchsförderung zu implementieren, am Ende geben jedoch oftmals die verfügbaren finanziellen und personalen Ressourcen den Ausschlag über Erfolg oder Misserfolg. Allerdings verfügen die am besten organisierten Verbände auch über die meisten finanziellen und personellen Ressourcen und den höchsten Verberuflichungsgrad und setzen darüber hinaus auch die ausgereiftesten Managementinstrumente ein. Zudem unterhalten diese Organisationen die vielfältigsten Kooperationen und führen eigene Leistungszentren. Entsprechend niedriger sind die Werte dieser Aspekte bei denjenigen Verbänden, welche eine qualitativ mittelmässige resp. schwache Organisation der Nachwuchsförderung aufweisen. Folglich spielen strukturelle und strategische, aber insbesondere auch ressourcenseitige Aspekte trotz allem eine bedeutende Rolle.

Jonas Schafer

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Zur Wirksamkeit von Testimonial Endorsed Cause-Related Marketing


In der Praxis ist eine zunehmende Anwendung von Cause-Related Marketing (CRM) in Verbindung mit (Testimonial)/Celebrity-Endorsement zu beobachten. Die Zielsetzung der Arbeit bestand darin, die Wirksamkeit von Testimonial Endorsed CRM aufzuzeigen. D.h. es sollte untersucht werden, wie eine CRM-Aktion in Verbindung mit einem Testimonial auf die Konsumenten wirkt.

Patricia Lauper verfolgte somit die Absicht, den Einfluss einer Testimonial Endorsed CRM-Werbung auf die Konsumenteneinstellung gegenüber dem Markenprodukt und gegenüber der CRM-Strategie zu messen. Ferner wurde der Einfluss der Einstellung gegenüber dem Produkt auf das Konsumentenverhalten gemessen.
Die Ergebnisse der Arbeit zeigen, dass ein Testimonial – sei dies eine berühmte Persönlichkeit oder ein No-Name Testimonial – weder einen Einfluss auf die Konsumenteneinstellung gegenüber dem Markenprodukt noch gegenüber der CRM-Strategie ausübt. Weiter hat sich herausgestellt, dass der Fit (zwischen dem wohltätigen Zweck und der profitorientierten Unternehmung) einen Einfluss auf die Einstellung der Konsumenten gegenüber dem CRM-Produkt sowie gegenüber der CRM-Strategie hat.

Patricia Lauper

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Swissness im Fundraising


Im Rahmen einer Sonderausgabe der Zeitschrift "Die Unternehmung" (2015), die sich mit den Facetten von Swissness in der betriebswirtschaftlichen Forschung befasst, stellt das VMI eine Studie vor, die am Beispiel von vier bekannten spendensammelnden Organisationen in der Schweiz zeigt, welche Bedeutung die wahrgenommene Swissness auf die Spendenbereitschaft hat.

Dabei wird gezeigt, welche Aspekte Swissness umfasst (z.B. Dienstleistungen aus der Schweiz, Dienstleistungen für Zielgruppen in der Schweiz, Dienstleistungserbringung nach Prinzipien, die als typisch schweizerisch angesehen werden, usw.), in welchen Aspekten sich die vier Organisationen voneinander unterscheiden und welche Spendertypen sie über einen mehr oder weniger ausgeprägten Swissness-Charakter ansprechen.

Hans Lichtsteiner

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Fundraisingerfolg und -effizienz


Trotz anhaltender Kritik an einer schleichenden Ökonomisierung von Nonprofit-Organisationen und der damit verbundenen Furcht vor einem Verlust an philanthropisch und gesellschaftlich motivierter Orientierung schreitet die Professionalisierung im Fundraising-Management fort. Sowohl große internationale, als auch kleinere gemeinnützige Organisationen auf nationaler oder regionaler Ebene bauen inzwischen interne Kapazitäten und Kompetenzen für ein systematisches Fundraising auf. Konstrukte, mit denen sich diese Entwicklung abbilden und Zusammenhänge zu Einfluss- und Ergebnisfaktoren analysieren lassen, sind in der Forschung empirisch bislang noch wenig erschlossen.

In diesem Forschungsprojekt wird zum einen ein tragfähiges Konzept für den Professionalitätsgrad im Fundraising entwickelt und sein Beitrag für den Spendenmarkterfolg von Hilfswerken untersucht.

Fundraising-Capability ist ein Mass für die Fähigkeit und Kapazität einer Organisation, den Fundraising-Ertrag durch das systematische Management von Menschen und Prozessen zu erhöhen. Zur Entwicklung des Fundraising-Capability Indexes wird auf Konzepte der soziologischen Professionalisierungsforschung und der organisationstheoretischen Rationalisierungsforschung zurückgegriffen. Empirisch geprüft werden anschließend die Kontrollvariablen der Fundraising-Capability sowie ihre Effekte für den Spendenerfolg, gemessen am Nettoertrag als Differenz von Spendeneinnahmen und finanziellen Aufwänden für die Spendeneinwerbung. Die empirische Analyse beruht auf Daten von 238 der insgesamt 500 spendensammelnden Organisationen, die das Spendensiegel der Stiftung ZEWO tragen und zusammen etwa zwei Dritteln des Schweizer Spendenmarkts von 1,6 Mrd. Sfr. abdecken


Markus Gmür

 

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